logo

header mit logo

header mit logo

Therapie

 

Wenn Sie einen medizinischen Begriff anklicken, erscheint in einem gesonderten Fenster der entsprechende Fachausdruck und eine Erläuterung aus einem kleinen Glossar der Fortpflanzungsmedizin.

Behandlungsmöglichkeiten

Im folgenden werden die heute praktizierten Behandlungsmöglichkeiten aufgeführt und beschrieben. In vielen Fällen ist nicht die Anwendung einer einzigen Möglichkeit, sondern die Kombination mehrerer Therapien angezeigt. Dies ist sogar in vielen Fällen unumgänglich, wenn Sie an die hohe Zahl kombinierter Ursachen denken. Aus Gründen der Übersichtlichkeit sind sie aber einzeln aufgeführt.

Für alle bei Ihnen geplanten, erforderlichen Behandlungen werden Sie zu Beginn vom Arzt, der dabei von Assistenzpersonal unterstützt wird, einen individuell auf Sie abgestimmten Behandlungsplan erhalten. Aus diesem gehen die zeitlichen und inhaltlichen Abläufe leicht erkennbar hervor. Die Wirkung der Behandlungen werden durch Ultraschalluntersuchungen, körperliche Untersuchungen und Hormonbestimmungen kontrolliert. Dabei richtet sich die Häufigkeit jeweils nach Befund und Behandlungsart.

Psychologische Begleitung

Ihr Arzt ist sich dessen bewußt, daß die Therapie, der Sie sich möglicherweise unterziehen wollen, für Sie und Ihren Partner zeitweilig eine große psychische Belastung darstellen wird. Auch im Sinne der guten Voraussetzung für diese Therapie, können Sie sich während und selbstverständlich auch nach Abschluß der Therapie mit all Ihren Sorgen, Nöten und Ängsten an die Sie behandelnden und betreuenden Ärzte wenden. Denn bereits eine kleine Unsicherheit – aus Unkenntnis entstanden – kann zu einer großen psychischen Belastung werden.

Neben dieser ärztlichen Zuwendung bieten Ihnen die meisten Zentren für künstliche Befruchtung daher auch die Möglichkeit einer weitergehenden psychologischen Begleitung durch einen kooperierenden Psychologen bzw. Psychologin, oder einen speziell geschulten Arzt bzw. Ärztin.

Die Möglichkeit, eine Schwangerschaft und damit das ersehnte Kind zu erreichen, kann grundsätzlich auch durch psychische Faktoren beeinträchtigt werden. Deshalb kann neben der fortpflanzungsmedizinischen Betreuung eine psychologische Begleitung sehr wichtig sein. Sie kann helfen, schädliche Streßfaktoren zu erkennen und abzubauen; Ängste und Belastungen werden leichter verarbeitet. Auch soll sie mit dazu beitragen, eventuell durch den bisher erfolglosen Kinderwunsch entstandene Spannungen in der Partnerschaft zu lösen. Die Verbesserung der eigenen Befindlichkeit kann durchaus dazu beitragen, den Erfolg einer Behandlung schneller herbeizuführen.

Zyklusoptimierung

Geringe Störungen im Eireifungs- und hormonellen Ablauf lassen sich meist mit Tabletten behandeln. Zum Einsatz kommt hierbei insbesondere das Clomifen-Zitrat, das während der ersten Zyklushälfte für 5 bis 10 Tage eingenommen wird. Die Hormonbildung in der zweiten Zyklushälfte und der gesamte zeitliche Ablauf kann durch den Wirkstoff hCG , der hier wie eines die Eierstöcke steuernden Hormone, LH , der Hypophyse wirkt, noch unterstützt werden. Dieser Stoff wird mehrere Tage unter die Haut gespritzt und kann den Eisprung auslösen, bzw. die Gelbkörperhormonbildung fördern.

Mehrlingsschwangerschaften und Überstimulation (siehe auch Komplikationen) sind als Folge einer Zyklusoptimierung eine ganz große Ausnahme und können meist durch Monitoring vermieden werden.

Stimulationstherapie

Wenn mit der Zyklusoptimierung kein zufriedenstellender Zyklusablauf erreicht werden kann, weil möglicherweise eine schwerwiegendere hormonelle Störung gegeben ist, so sollte eine sogenannte "Spritzentherapie" erfolgen. Dabei werden die Hypophysenhormone FSH und ggf. LH /hCG (HMG) mehrere Tage lang meistens unter die Haut oder aber auch in einen Muskel gespritzt. Diese Behandlung bedeutet für Sie mehr Aufwand, da je nach Stand der Eireifung kurzfristige Dosisanpassungen erforderlich sind. Diese Anpassung ist u.a. auch deshalb notwendig, damit eine übertriebene Reaktion der Eierstöcke (Überstimulation) vermieden wird. Zur Ovulationsförderung und -auslösung, wird nach Ausreifung eines oder mehrerer Follikel bzw. einer oder mehrerer Eizellen hCG gespritzt. Die modernen Präparate sind so benutzerfreundlich, dass die überwiegende Mehrheit der Frauen das Spritzen selbst durchführen. Das Team berät Sie gerne und gibt Anleitungen.

lnseminationsbehandlung

Eine lnseminationsbehandlung ist angezeigt, wenn das Spermiogramm leichte bis mäßige Einschränkungen aufweist, oder wenn die bisher beschriebenen Behandlungen nicht ausreichten, um Sperma-Mukus-lnteraktionsstörungen zu beseitigen. Es hat sich gezeigt, daß eine Behandlung des Mannes nur in den seltensten Fällen zu einer Verbesserung der Spermabefunde führt. Die direkte Behandlung des Spermas, bei der auch eine Konzentration insbesondere der gut beweglichen Samenzellen erfolgt, ist viel erfolgversprechender. Die behandelten und konzentrierten Samenzellen werden dann zur empfängnisfähigen Zeit, am besten aber kurz vor dem Eisprung, mit einem gewebefreundlichen, dünnen und schmiegsamen Katheter durch den Muttermund direkt in die Gebärmutterhöhle gespült.

Eine Inseminationsbehandlung, die in Kombination mit einer hormonellen Stimulation durchgeführt wird, darf für gesetzlich versicherte PatientInnen nur von dafür speziell zugelassenen FrauenärztInnen durchgeführt werden. Das gleiche gilt, wenn sich drei und mehr reife Follikelbläschen entwickelt haben.

Häufig können Männer nicht zur Spermaabgabe in die Praxis kommen. In solchen Fällen stellt das Spermalabor ein speziell für diesen Zweck entwickeltes Transportmedium zur Verfügung. Dies ermöglicht Ihnen, das Sperma auch bei langem Anfahrtsweg ohne "Transportschaden" von zuhause mitzubringen. Zur Durchführung einer Spermiogramm-Kontrolluntersuchung, insbesondere bei Verdacht auf eine Infektion, muß der Mann aber zur Spermaabgabe in das Zentrum kommen.

Endometriosebehandlung

Bei der Endometriose handelt es sich um das Auftreten von gebärmutterschleimhaut-ähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle . In mehr als 98% aller Fälle kommt die Endometriose im kleinen Becken vor. Sie äußert sich meist durch Schmerzen, die hauptsächlich bei der Monatsblutung, typischerweise 2-3 Tage vor Blutungsbeginn einsetzen. Auch beim Geschlechtsverkehr können häufig diese Schmerzen auftreten.

Aber Endometriose führt auch zur Beeinträchtigung der weiblichen Fruchtbarkeit, wobei die Mechanismen hierfür bis heute noch nicht in allen Einzelheiten bekannt sind. Durch eine Bauchspiegelung, bei der dann auch schon eine chirurgische Behandlung der Endometriose vorgenommen werden kann, wird die Diagnose gesichert. Es hat sich als sehr lohnend herausgestellt, wenn bei nachgewiesener Endometriose die chirurgische Behandlung durch eine medikamentöse ergänzt wird. Hierzu werden heute überwiegend monatlich zu verabreichende Spritzen - in Einzelfällen auch Tabletten - eingesetzt, die die Eierstockfunktion und -hormonproduktion während der Behandlungszeit 3 bis 6 Monate blockieren. Die dadurch erreichte Veränderung des hormonellen Milieus drängt die Endometriose in ihrer Aktivität zurück. Diese Wirkung hat sich auch als sehr günstig für eine nachfolgende Stimulationstherapie, insbesondere beim IVF-Verfahren, erwiesen.

In-Vitro-Fertilisation (IVF)

Für die Anwendung von IVF sprechen in erster Linie ein Eileiterverschluß bzw. eine erhebliche Störung der Eileiterfunktion. Weitere Gründe sind stark funktions-eingeschränkte Samenzellen, Endometriose, bestimmte immunologische Faktoren und unerklärte Sterilität.

Wenn Voruntersuchungen ergeben haben, daß keine Gründe gegen den Einsatz einer IVF sprechen, erfolgt je nach festgelegtem Behandlungsplan zunächst ein Vorbehandlungszyklus. Je nach dem zur Anwendung kommenden Behandlungsprotokolls erfolgt zunächst die Gabe einer Hormon-Kombinationstablette (Östrogen plus Gelbkörperhormon), die für eine Harmonisierung des hormonellen Milieus sorgt. Unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. bei bekannter Endometriose) erfolgt in diesem Vorbehandlungszyklus die Verabreichung eines Medikaments, das die Steuerung der Eierstöcke durch die Hirnanhangsdrüse für eine gewisse Zeit ausschaltet (mittels Depot-Spritze, täglichen Injektionen oder auch Nasenspray). Dadurch wird ein unkontrollierter und vorzeitiger Eisprung bei der folgenden hormonellen Stimulation der Eierstöcke vermieden.

Bei den anderen Patientinnen wird der vorzeitige Eisprung durch die zusätzliche Injektion eines Medikaments während der laufenden Stimulationsbehandlung verhindert (sog. Antagonisten-Protokoll). Bei diesen Patientinnen ist es wichtig, dass die Stimulationsbehandlung spätestens am 3. Tag einer Monatsblutung begonnen wird. im sog. long-protocol wird der Beginn der Stimulationsbehandlung nach einem festen Schema festgelegt. Sind nach 8 bis 14 Tagen hormoneller Stimulation mit Spritzen genügend Follikelbläschen herangereift, wird eine spezielle Spritze verabreicht, um die Eizellreifungsphase abzuschliessen.

32-36 Stunden später werden die Eizellen durch Follikelpunktion entnommen. Früher wurde zu diesem Zweck eine Bauchspiegelung vorgenommen, heute werden die Eizellen unter Ultraschall durch die Scheide aus dem Eierstock punktiert. Dieser Eingriff wird in vielen Zentren in Narkose durchgeführt. Dabei wird eine Punktionsnadel, die auf dem in die Scheide eingeführten Ultraschallkopf befestigt ist, durch die Scheidenwand zum entsprechenden Eierstock geführt. Dort wird dann ein Eibläschen nach dem anderen angestochen, die Flüssigkeit abgesaugt und der Follikel gespült, d.h. mit Flüssigkeit umgeben, die dann abgesaugt werden kann. In dieser Flüssigkeit kann in den meisten Fällen eine Eizelle gefunden werden. In den sehr seltenen Fällen, in denen keine Eizelle gefunden wird, ist dies entweder ein Zeichen für eine hochgradige Eireifungsstörung, oder dafür, daß die zeitlichen Abläufe von der Norm abgewichen sind. Nach der Punktion werden die Patientinnen noch mindestens zwei Stunden überwacht, bevor sie das Zentrum verlassen können.

Die gefundenen Eizellen werden dann mit einer festgelegten Menge gut beweglicher Samenzellen zusammengebracht und im Brutschrank kultiviert. Am folgenden Tag wird unter dem Mikroskop kontrolliert, bei welchen Eizellen die Vorbereitung auf den eigentlichen Befruchtungsvorgang (siehe Die ungestörte menschliche Fortpflanzung ) zu erkennen ist ( Vorkern stadium). An diesem Tag muß dann auch von dem Paar entschieden werden, bei wievielen Eizellen die Befruchtung abgeschlossen werden soll. Der Gesetzgeber hat festgelegt, daß die Befruchtung bei höchstens drei Eizellen durchgeführt werden darf (sh. Rechtliche Situation ). Darüber hinaus muß das Paar entscheiden, wieviele Vorkern-Eizellen vernichtet, oder alternativ für eine eventuelle Wiederholung des Behandlungszyklus vorübergehend gefrierkonserviert werden sollen.

Nach weiteren 2 bis 4 Tagen, wenn durch stetige Teilung der befruchteten Eizelle ein Mehrzeller (es können auch mehrere sein) entstanden ist , erfolgt der Embryotransfer , die Übertragung eines oder mehrerer Embryonen in die Gebärmutterhöhle mithilfe eines Katheters (siehe Inseminationsbehandlung). Die anschließende Einnistung wird häufig durch zusätzliche Verabreichung von Gelbkörperhormon oder hCG -Spritzen unterstützt. Zur Vorbereitung des Transfers wird ein Medikament verabreicht, das die Uterusmuskulatur beruhigt. Nach dem Transfer schliesst sich eine 20-minütige Ruhepause an. Aufgrund des verabreichten Medikaments sind die Patientinnen nach dem Transfer nicht in der Lage, ein Auto zu steuern.

Aufgrund des operativen Eingriffs, der häufig anzutreffenden Zystenbildung in den Eierstöcken und wegen einer möglichen Überstimulation wird die Patientin im Anschluss an die Punktion normalerweise eine Woche Arbeitsunfähigkeit attestiert.  12 bis14 Tage nach dem Embryo-Transfer zeigt dann der hCG-Bluttest, ob eine Schwangerschaft eingetreten ist.


lntra-Cytoplasmatische Sperma-Injektion (ICSI)


ICSI ist immer dann angezeigt, wenn die Spermabefunde ergeben haben, daß die Samenzelle voraussichtlich nicht in der Lage ist, spontan in die Eizelle einzudringen. Wenn bei vorausgehenden IVF-Versuchen eine Befruchtung ausgeblieben ist, liegt darin ebenfalls eine Begründung für die Anwendung des ICSI-Verfahrens. Vorbereitung, Stimulation und Eizellgewinnung erfolgen wie unter der IVF beschrieben. Diese Massnahmen sind bei einer ICSI-Behandlung ebenfalls erforderlich. Darüberhinaus müssen für eine ICSI allerdings Eizellen und Spermien speziell vorbereitet werden.

Ein Hochleistungs-Mikroskop und elektronisch-hydraulisch gesteuerte Instrumentensysteme ermöglichen dann, in jeweils eine, etwa 1/lo mm im Durchmesser große Eizelle, eine mehr als 100mal kleinere Samenzelle einzuspritzen.

Der Samenzelle werden also die Transportaufgaben und Interaktionsleistung mit der Eizelle bei der natürlichen Zeugung abgenommen und die Erbinformation kann auch bei erheblicher Spermafunktionseinschränkung in die Eizelle gelangen. Nach der Injektion verläuft diese Behandlungsmethode wie beim IVF-Verfahren.

Spermiengewinnung aus Nebenhoden oder Hoden (MESA und TESE)

In einigen Fällen ist die Fruchtbarkeitsstörung des Mannes sehr erheblich. Man findet dann nur einzelne oder keine Samenfäden in der Spermaergußflüssigkeit. Noch bis vor wenigen Jahren war in solchen Fällen die Befruchtung der Eizelle ausgeschlossen. Heute besteht die Möglichkeit, bei einem ambulant durchgeführten operativen Eingriff durch den Urologen, Spermien aus den Nebenhodenkanälchen zu gewinnen (MESA). Eine Entscheidung für diesen Eingriff liegt insbesondere dann nahe, wenn die Samenleiter, angeboren oder als Folge von Entzündungen oder Operationen, verschlossen sind.

Die weitaus häufiger angewandte Methode der Spermiengewinnung ist heute die durch einen Urologen vorgenomme Entnahme von Gewebeproben ( Biopsien ) (TESE), aus denen dann Spermien isoliert werden können. Hierbei kann die Möglichkeit genutzt werden, mehrere Proben entnehmen zu lassen, die dann gefrierkonserviert und für weitere Befruchtungsversuche verwendet werden können, ohne den Mann für jeden Versuch wieder operieren zu müssen. Mit den durch MESA oder TESE gewonnenen Spermien kann dann die Befruchtung der Eizellen durch das ICSI-Verfahren erfolgen.

Wenn keinerlei Samenzellen mehr vorhanden sind, muß in einem ausführlichen Gespräch mit dem Paar geklärt werden, ob und welche anderen Möglichkeiten für das jeweilige Paar in Frage kommen. Dabei muß betont werden, daß dann die im Vorwort genannten Grundsätze, nämlich die Achtung der Würde des betroffenen Paares und des gewünschten Kindes, immer im Vordergrund stehen müssen. Als Alternative steht ggf. die Insemination mit Spendersamen zur Verfügung.

Gefrierkonservierung von Keimzellen

Wie bereits mehrfach erwähnt besteht technologisch heute die Möglichkeit, Keimzellen oder Keimzellbildendes Gewebe zu konservieren. Dieses hochkomplizierte Gefrierverfahren hilft, möglicherweise unnötige Belastung für die Frau oder/und den Mann zu verringern. Bei der Frau können jetzt nach einem einzigen Stimulations- und Punktionszyklus mehrere Transferversuche unternommen werden. Die im Ausgangszyklus auf dem Weg zur eigentlichen Befruchtung nicht weiter kultivierten Eizellen im Vorkernstadium, werden in diesem Verfahren über längere Zeit in ihrer Entwicklung gestoppt und haltbar gemacht. Kommt es im Ausgangstransferversuch nicht zur Schwangerschaft, so muß in einem Folgezyklus die Gebärmutterschleimhaut lediglich auf einen Transfer und die mögliche Einnistung vorbereitet , die Eierstöcke aber müssen nicht stimuliert werden. Die seelische und körperliche Belastung der Stimulation und Punktion kann der Frau erspart werden. Erfahrungsgemäß überstehen die Hälfte bis zu Zweidrittel aller Eizellen dieses Konservierungsverfahren unbeschadet. Nur solche Zellen, die sich erkennbar normal weiter teilen, werden für den nächstenTransfer herangezogen. So kann auch, wie bereits weiter oben beschrieben, mit dem Hodengewebe verfahren werden. Im Einzelfall kann sich auch einmal die Kryokonservierung von Spermien als nützlich erweisen.

Die Kryokonservierung von Embryonen ist in Deutschland nach den Vorschriften des Embryonenschutzgesetzes nur in Notfallsituationen erlaubt. Bei der Kryokonservierung kommen auf den Patienten Kosten zu, da diese Massnahmen zu weiten Teilen nicht von den Kassen übernommen werden.

Schlüpfhilfe (Assisted Hatching)

Insbesondere wenn wiederholt Embryotransfers fehlgeschlagen sind, die Embryonen eine auffällig dicke Eizellhülle aufweisen, die Patientin älter als 37 Jahre alt ist, oder ein Zustand nach Kryokonservierung vorliegt, kann die sog. Schlüpfhilfe von Vorteil sein. Dabei wird mit einem Spezial-Laser die Eizellhülle - ohne Gefahr für den Embryo - unmittelbar vor dem Transfer an einer Stelle ausgedünnt, so dass der Embryo an dieser Stelle die Eizellhülle bei seiner weiteren Entwicklung in der Gebärmutter leichter aufreissen und sie verlassen kann. Damit erhöht sich die Einnistungschance. Auch diese Behandlung ist keine Leistung der Kassen.

Erfolge der Sterilitätstherapie

Um den Erfolg aller durchgeführten Sterilitätsbehandlungen einschätzen zu können, muß man ihn immer in Relation zur natürlichen Fruchtbarkeitsrate setzen. Diese liegt heute bei knapp 30% pro Zyklus. Das heißt, daß von 100 Paaren, die sich keiner Kinderwunschbehandlung unterziehen müssen, 30 pro Zyklus eine Schwangerschaft erreichen. Betrachtet man die weltweit veröffentlichten Zahlen der verschiedenen Länder, so sieht man, daß diese Rate bei der natürlichen Fruchtbarkeit inzwischen auch von sehr vielen Zentren mit der IVF- und IVF/ICSI-Behandlung erreicht wird, bzw. teilweise deutlich überschritten wird. Aus den Zahlen des Deutschen IVF-Registers ist weiterhin zu entnehmen, daß die Behandlung bei fast 70% der Paare zu einer Schwangerschaft führt, wenn - falls erforderlich -, konsequent bis zu 6 Versuche in Anspruch genommen werden. Hier muss berücksichtigt werden, dass die individuellen Eigenschaften eines Paares (z.B. erhöhtes Alter oder massives Übergewicht) die eigenen Erfolgsaussichten verringern können.

Mögliche Komplikationen

Mehrlingsgeburt und Eierstocküberreaktion

Insbesondere bei den Verfahren, die mit einer Stimulationstherapie verbunden sind, bestehen immer das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft (Zwillinge, Drillinge, Vierlinge und mehr kommen in Deutschland fast überhaupt nicht mehr vor) und das Risiko einer Eierstocküberreaktion mit Ausbildung großer Eierstockszysten. Aus diesen Gründen ist eine strenge Überwachung während der Behandlung dringend geboten. Sind zu viele reife Follikelbläschen vorhanden, können manchmal überzählige Follikelbläschen mit den darin befindlichen Eizellen abgesaugt werden. Im Einzelfall muß ein Zyklus noch vor dem Eisprung abgebrochen werden; dem Paar ist möglicherweise von ungeschütztem Geschlechtsverkehr abzuraten und eine weitere Stimulation der Eierstöcke sollte verhindert werden. Die Schwierigkeiten, die sich bei der Überstimulation - zum Glück sehr selten -  ergeben können, sind u.a. ein Grund warum die meisten Maßnahmen der Fortpflanzungsmedizin nur in dafür besonders ermächtigten Zentren durchgeführt werden dürfen.

Eileiterschwangerschaft, Fehlgeburt

Tritt nach einer der beschriebenen Behandlungsmassnahmen eine Schwangerschaft ein, so können alle bei Schwangerschaften möglichen Komplikationen auftreten. Dazu zählen Eileiterschwangerschaft, Fehlgeburt und alle anderen bekannten Schwierigkeiten. Das Risiko für das Eintreten derartiger Komplikationen ist nicht in den Behandlungsmethoden zu suchen, sondern in erster Linie in den individuellen Eigenschaften, die die PatientInnen tragen.

Fehlbildungen

Das Auftreten einer Fehlbildung beim Kind kann für keine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Die Diskussion darüber, ob für Kinder, die nach einem IVF- oder ICSI-Verfahren gezeugt wurden, das Risiko einer Fehlbildung erhöht ist, kann bis heute nicht abgeschlossen werden. Die Zahlen zeigen jedoch, dass das gegenüber ohne reproduktionsmedizinische Massnahmen konzipierten Kindern leicht erhöhte Risiko nicht den Methoden zuzuschreiben ist, sondern in erster Linie auf den genetischen und persönlichen Voraussetzungen der Eltern mit Fruchtbarkeitsstörungen beruht. Das statistisch erhöhte Risiko bewegt sich aber im Promillebereich.

Risikoerhöhungen im Prozentbereich können dann auftreten, wenn das Paar zusätzliche individuelle Eigenschaften einbringt wie:

  • Erhöhtes Alter
  • Übergewicht oder Diabetes mellitus bei der Frau
  • "Verwandten-Ehe"
  • Genetische Störungen bei einem der Partner oder in der Verwandtschaft
  • Vorausgegangene Geburt von Kindern des Paares mit angeborenen Störungen bzw. Vorkommnisse  in der Verwandtschaft
  • Zustand nach Strahlen- oder Chemotherapie
  • Negative Ernährungsweisen bzw. Umwelteinflüsse während der Schwangerschaft (z.B. Rauchen  oder Mangelernährun

Jedes Paar sollte eine Beratung über mögliche Risiken erhalten und ggf. auch eine genetisch beraten werden.
Andere Risiken und mögliche Folgeerscheinungen

Bei den genannten operativen Eingriffen bestehen die allgemeinen Operationsrisiken wie bei anderen chirurgischen Eingriffen auch. Im Rahmen der Follikelpunktion kann es in extrem seltenen Fällen zu Scheidenblutungen, Verletzungen des Darms oder einer Infektion im Bauchraumes kommen. Diese Risiken sind jedoch verschwindend gering.

Manche Frauen klagen während der Therapie über eine Gewichtszunahme, andere über eine Abnahme; bei den meisten bleibt das Gewicht konstant.

Immer wieder werden fruchtbarkeitsteigernde Medikamente mit einem einhergehenden höheren Krebsrisiko in Verbindung gebracht. Dafür gibt es keinerlei Hinweise.

Ethische Grundsätze und rechtliche Situation

Für jegliches Handeln im Rahmen der Sterilitätstherapie und der Fortpflanzungsmedizin gilt der Grundsatz, daß sämtliche Maßnahmen an der Stabilität der Partnerbeziehung ausgerichtet sein und das Wohl des zu entstehenden Kindes im Mittelpunkt stehen müssen. Die Entscheidung, sich einer Sterilitätstherapie zu unterziehen, muß immer eine Gewissensentscheidung des Paares sein. Bei der Betrachtung der rechtlichen Situation in Deutschland muß zwischen Strafrecht, ärztlichem Standesrecht und Kassenrecht unterschieden werden.

Strafrecht

Die strafrechtlichen Aspekte sind in erster Linie im Embryonenschutzgesetz niedergelegt. Befruchtete Eizellen dürfen nur der Frau transferiert werden, von der sie auch entnommen wurden. In diesem Gesetz ist u.a. auch festgelegt, daß nur maximal drei Embryonen in einem Zyklus zurückgesetzt werden dürfen.

Ärztliches Standesrecht

Beim ärztlichen Standesrecht, das letztlich von den einzelnen Landesärztekammern abhängt, kann es zwischen den einzelnen Bundesländern Unterschiede geben. Von den Ärztekammern sind in erster Linie ethische Grundsätze und Vorbedingungen festgeschrieben. Weiterhin legen die Ärztekammern fest, wer die fachliche Qualifikation zur Durchführung der geschilderten Maßnahmen besitzt. Zusätzlich führen in Deutschland die ermächtigten Zentren freiwillig qualitätssichernde Maßnahmen durch. Alle durchgeführten IVF-Zyklen und ICSI-Zyklen werden dem Zentralen Deutschen IVF-Register (D.I.R.) gemeldet. Auch wenn bei Ihnen eine solche Behandlung durchgeführt werden sollte, würde sie in anonymer Form diesem Register gemeldet werden. Sie tragen damit dazu bei, daß über die Jahre wertvolle Erkenntnisse gesammelt werden können, die über die Erfahrungen eines Zentrums hinaus verallgemeinerbar sind.

Kassenrecht

Die Umsetzung des Gesundheitssystemmodernisierungsgesetz hat ab 1. Januar 2004 zu erheblichen Änderungen im Sozialgesetzbuch V § 27a, Massnahmen Künstliche Befruchtung und in den Richtlinien des Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen geführt. Dort ist festgelegt inwieweit die
gesetzlichen Krankenkassen für eine Sterilitätsbehandlung aufkommen, und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen. Die wichtigsten Veränderungen umfassen die Erhebung eines 50%igen Eigenanteils (einzuziehen vom behandelnden Arzt), eine Einschränkung der Anzahl der Versuche, die notwendige Erstellung eines von der gesetzlichen Kasse zu genehmigenden Behandlungsplans mit Kostenschätzung sowie eine Altersbeschränkung.


Wenn es medizinisch sinnvoll und aussichtsreich erscheint und vom behandelnden Zentrum ein Behandlungsplan erstellt worden ist, werden generell 50% von

  • 8 Inseminationsversuchen im normalen oder optimierten Zyklus, bei nicht mehr als zwei reifen Follikeln
  • 3 Inseminationsversuche im stimulierten Zyklus und
  • 3 IVF-Zyklen ODER 
  • 3 ICSI-IVF Zyklen (wobei der 3. Versuch nur gewährt wird, wenn während der ersten beiden Versuche eine klinische Schwangerschaft eingetreten ist)

von den gesetzlichen Kassen übernommen.

Voraussetzungen für die Erstattung sind

  • die geplante Behandlung muß Aussicht auf Erfolg haben
  • das Paar muß verheiratet sein;
  • Frau und Mann dürfen nicht jünger als 25 Jahre, die Frau nicht älter als 40 und der Mann nicht älter als 50 Jahre sein,
  • beide Partner dürfen nicht an AIDS erkrankt sein;
  • Test auf Hepatitis B (HBsAG) bei der Frau muß vorliegen;
  • Rötelnschutz bei der Frau muß vorhanden sein;
  • eine Bescheinigung eines umfassenden Aufklärungsgesprächs durch einen speziellen Frauenarzt ausserhalb des Zentrums und
  • der von der gesetzlichen Kasse genehmigte Behandlungsplan mit Kostenschätzung muß vorliegen

für die anteilige Erstattung der

  • Insemination im stimulierten Zyklus
  • IVF oder
  • ICSI

muss eine Überweisung von beiden Partnern an das Zentrum vorgelegt werden.

Die Bedingungen privater Krankenkassen, Einrichtungen der Heilfürsorge und der unterschiedlichen Beihilfestellen können von den Regelungen der gesetzlichen Kassen abweichen. Die Postbeamtenkasse sowie Bundeswehr haben sich nach Kenntnis des BRZ (Stand 15.5.04) den Regelungen nach § 27a SGB V angeschlossen. Bei unterschiedlich versicherten Paaren gibt es für die Konstellation.

  • ICSI bei einem privat versicherten Mann (Verursacher) und einer gesetzlich versicherten Frau inzwischen ein höchstrichterliches Urteil. für die Konstellation
  • ICSI bei einem gesetzlich versicherten Mann (Verursacher) und einer privat versicherten Frau gibt es ebenfalls ein höchstrichterliches Urteil, für die Konstellation
  • ICSI bei einem gesetzlich versicherten Mann (Verursacher) und einer ausschliesslich beihilfe-versicherten Frau ein Sozialgerichtsurteil, das, da Berufung eingelegt wurde, allerdings nicht rechtskräftig ist

Sollten Sie in eine dieser Konstellationen fallen, dann wollen Sie sich bitte ausschliesslich per Email an den Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! wenden. Der Verband kann Sie möglicherweise mit Unterlagen ausstatten, die Ihnen Ihr möglicherweise notwendiges Vorgehen gegen Ihre Kasse erleichtern. Der BRZ versucht darüber hinaus, deutschlandweit einen Überblick über anhängige Verfahren zu haben. Sollten Sie Kenntnis von weiteren Verfahren haben, dann bitten wir Sie herzlich, sich mit uns per Email in Verbindung zu setzen.
Die Leistungen der Gefrierkonservierung (Kryokonservierung) von Keimzellen oder Keimgewebe sind sowohl von den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen als auch privaten Versicherungen ausgenommen, da sie bisher nicht als medizinisch notwendige Massnahmen anerkannt sind. Ebenso sind die Schlüpfhilfe (Assisted Hatching) und ein Teil der Massnahmen bei TESE von den PatientInnen selbst zu tragen.

Weitere Fragen

Wir hoffen, daß wir Ihnen mit diesem Überblick weiterhelfen konnten. Wenn Sie weitere Fragen zu der komplizierten Thematik haben oder selbst Hilfe in Anspruch nehmen möchten, wenden Sie sich bitte an einen Facharzt bzw. eine Fachärztin. Sollten Sie Schwierigkeiten haben, eine Spezialpraxis in der Nähe Ihres Wohnortes zu finden, helfen wir Ihnen gerne weiter.

Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Adresse der Geschäftsstelle des BRZ

Adressen der Reproduktionsmedizinischen Zentren des BRZ